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Wasserkrise

Grundversorgung der Palästinenser mit sauberem Naß im Gazastreifen nicht gesichert

Von Karin Leukefeld *

Der palästinensische Gazastreifen hat mit vielen Sorgen zu kämpfen: Die israelischen Besetzer verweigern den rund 1,6 Millionen Menschen – 50 Prozent von ihnen Kinder, zwei Drittel Flüchtlinge – die Bewegungsfreiheit. Die Stromversorgung wird häufig unterbrochen, Import und Export werden durch das strenge israelische Kontrollsystem an den Grenzübergängen massiv behindert. Palästinensische Fischer dürfen nur in den von den Besatzungsbehörden genehmigten Gewässern fischen, die in den letzten Jahren – zum Schutz der israelischen Sicherheit – sukzessive verkleinert wurden.

In dem rund 365 Quadratkilometer umfassenden Gebiet ist auch die Grundversorgung mit sauberem Wasser nicht gesichert. Nach Angabe der Palästinensischen Wasserbehörde (PWA) wird der Wasserverbrauch bis zum Jahr 2020 von heute 160 auf 260 Millionen Kubikmeter steigen. UN-Hydrologen berichten, daß angesichts der bereits vorhandenen schweren Schäden jährlich nur etwa 55 Millionen Kubikmeter aus der Aquifere entnommen werden dürften. Bei der anhaltenden Übernutzung könnte der Wasserspeicher schon 2016 unbrauchbar sein, heißt es warnend in einem gerade veröffentlichten UN-Bericht.

Die unterirdische Küstenaquifere, die Israel, Gaza und Ägypten mit Wasser versorgt, ist vollkommen überlastet. Wegen nachlassendem Regen kann sich das Wasserreservoir nur teilweise wieder auffüllen, salziges Seewasser dringt in die leeren Speicherräume vor. Unzureichende Abwassersysteme, Salze und Düngemittel aus der Landwirtschaft machen 90 Prozent des Wassers ungenießbar. Nach Einschätzung des UN-Entwicklungsprogramms sind rund ein Viertel aller Erkrankungen im Gazastreifen auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen. Sollte die Wasserkrise im Gazastreifen nicht gelöst werden, könnte das Gebiet für Menschen bald »unbewohnbar« werden, erklärte der Leiter der palästinensischen Wasserbehörde, Shaddad Attili, auf einer Weltwasseronferenz in der vergangenen Woche in Stockholm.

Die palästinensische Autonomiebehörde (PA) hatte bereits 1996 Pläne für eine Entsalzungsanlage entwickelt, deren Umsetzungskosten von geschätzten 500 Millionen US-Dollar mit einem Bankenkredit oder Spenden der »internationalen Gemeinschaft« bezahlt werden müßten. Mündliche Zusagen gibt es inzwischen von der Internationalen Bank für Entwicklung sowie von der Europäischen Entwicklungsbank. Bisher verweigerte die israelische Besatzungsbehörde ihre Zustimmung. 2011 legte die PA die Pläne erneut beim Treffen der Mittelmeerunion vor und erhielt dieses Mal nicht nur die Unterstützung von UN, EU und wichtigen Entwicklungsbanken, auch Israel gab überraschend seine Blockadehaltung auf.

Der Zugang zu Wasser im historischen Syrien und Palästina hat sich in den letzten 50 Jahren erheblich verschlechtert. Hintergrund ist neben dem Bevölkerungswachstum der anhaltende Konflikt zwischen den Palästinensern, Libanon und Syrien mit Israel, das sich durch seine Besatzungspolitik und illegale Landnahme in der Westbank und auf den syrischen Golanhöhen die Kontrolle über die regionalen Wasserquellen militärisch sichert.

* Aus: junge Welt, Montag, 03. September 2012


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